27. August 2009
„Nichts wirkt verständnisvoller und motivierender als Gleichgesinnte“, dachten sich mit großer Wahrscheinlichkeit die Werbetexter und Mediendesigner der MPU-Stelle Berlin, als sie ihre rauchenden Köpfe zusammensteckten, um einen geeigneten Werbeslogan für die U-Bahn-Plakate zu finden. Doch waren die Worte „Sie müsen zum Idiotentest?“ wirklich klug gewählt? Ist es nicht so, dass die meisten, die es in Erwägung ziehen, zu einem Beratungsgespräch der MPU zu gehen, spätestens beim Lesen dieses Werbebanners zurückschrecken? Schon das Benutzen des bereits seit einiger Zeit umstrittenen Begriffes „Idiotentest“ (Begutachtung der Fahreignung) ist zweifelhaft und wirkt keineswegs einladend. Stellt sich nun also die Frage, ob der Rechtschreibfehler bewusst provozieren sollte oder versehentlich geschah.

Ob nun beabsichtigt oder nicht, die Anzeige ist auffallend und amüsant – Mission erfüllt.
26. August 2009
Journalisten sind mächtige Menschen. Einerseits, weil sie tatsächlich als vierte Gewalt fungieren und die politischen sowie wirtschaftlichen Geschicke des Landes beeinflussen. Andererseits aber auch, weil sie die Sprache nachhaltig prägen und verändern. Ersteres ist bisweilen bedenklich. Doch auch Letzteres bereitet mir manchmal Kopfzerbrechen. Denn wenn die Macht mit uns ist, wenn wir Sprache schaffen, revolutionieren und gestalten können, ist die Verantwortung immens. Schließlich glaubt die Menschheit gemeinhin, was irgendwo schwarz auf weiß geschrieben steht.
Doch was, wenn ich kleiner Schreiberling bei der Kommasetzung oder der Groß- und Kleinschreibung irre? Was, wenn ich absichtlich Geldbeutel schreibe, weil ich nicht weiß, wie Portemonnaie richtig geschrieben wird? Dann vergewaltige ich unsere Sprache. Dann trage ich meinen Teil dazu bei, dass sie einen Teil ihrer wunderbaren Komplexität und Internationalität verliert. Also bemühe ich mich tagtäglich, gutes, facettenreiches Deutsch zu schreiben – und hoffe, dass die Macht mit mir ist.
21. August 2009
Früher fristete der kleine Apostroph ein tristes Dasein. Abgehängt am oberen Zeilenrand schwebte er dort als unscharfes Spiegelbild des deutlich häufiger beschäftigten Kommas scheinbar in Überlebensgefahr. Ebenso wie über sein Geschlecht (der oder das Apostroph?) wurde auch über seinen Verwendungszweck mehr spekuliert als ernsthaft unterrichtet. Die deutsche Rechtschreibung schien für das drollige „einbeinige Gänsefüßchen“ keinen rechten Platz zu bieten.
So wurde mir zum Beispiel in der Grundschule beigebracht: „Das Apostroph“, meine Lehrerin ging damals von einem neutralgeschlechtlichen Satzzeichen aus, „verwendet man immer dann, wenn ein Buchstabe weggelassen wird.“ Ende der angeblich alles verdeutlichenden Erklärung.
Neugierige Nachfragen, ob man in dem Fall nicht mit dem Apostroph das gesamte Alphabet in Rente schicken könne, wurden mit dem Zusatz: „Das braucht ihr aber auch nicht weiter beachten, lasst einfach den Buchstaben nicht weg – sieht eh besser aus“ abgewehrt.
Wen verwundert es da, dass der inzwischen immerhin geschlechtsreife Apostroph dieser Tage aus der Rolle des unbeliebten Außenseiters ausbricht und nach Größerem strebt?
Während er in der deutschen Zeichensetzung über viele Jahre hinweg weitestgehend in Ruhe gelassen wurde, konnte sich der Apostroph auf sein Auslandsstudium konzentrieren und in der englischen Sprache mit seinem neuen Freund, dem „s“, große Erfolge an Wortenden feiern. Nunmehr zurück in der deutschen Sprache möchte der Apostroph an diese Erfolge anknüpfen und bietet sich bereitwillig jedem an, der seinem staubigen Wortgeflatter mit dem neckischen Zeichen etwas internationalen Chic (oder nach neuer Rechtschreibung: Schick) einhauchen möchte.
Mit dieser Taktik ist der Apostroph zum wahren Multifunktions-Satzzeichen mutiert. Der Schlingel wird inzwischen derart häufig (falsch) gebraucht, dass sich viele Menschen gar nicht mehr erinnern, wann er denn nun im Deutschen wirklich gesetzt gehört und wann nicht?

Nicht nur übermotivierte Gastronomen …
(Aus: Ständig Wechselnde Tages Special’s !!!)

… auch professionelle Schreiber kommen durcheinander, wenn es um den richtigen Einsatz des Apostrophs geht. (Aus: Professionelle Schreibfehler)

Eine große Marke schützt nicht vor kleinen Satzzeichen-Fehlern.
(Aus: Tchibo und der Apostroph)

Todsünde Inkonsistenz: „Desserts“ ohne, aber „Menü’s“ im Plural mit Apostroph. Man beachte zudem die Schreibweise des Joghurts…
(Aus: Schreibfehler im IKEA Bistro)
20. August 2009
Jeder Segler weiß: Für das Miteinander auf dem Wasser gibt es gewisse Regeln, die zu beachten sind. So schreiben beispielsweise die internationalen Kollisionsverhütungsregeln vor, dass Motorfahrzeuge gegenüber Segelfahrzeugen ausweichpflichtig sind. Weit verbreitet unter Seglern sind auch spezielle Höflichkeitsregeln. Dazu gehört zum Beispiel, dass Einheimische einer einlaufenden Yacht einen freien Liegeplatz zuweisen und beim Festmachen helfen.
Ein Wissenschaft für sich sind die verschiedenen Seglerknoten. Die wichtigsten Exemplare haben auf sachkundigen Hinweis eines Nutzers jetzt Einzug in unser Online-Nachschlagewerk www.pons.eu gehalten. Dazu gehören unter anderem Knoten wie Stopperstek, Endacht, Palstek, Schotstek, Kreuzknoten, Webeleinenstek, Rundtörn und Roringstek. Für künftige Schreibvorhaben rund ums Segeln wünschen wir: „Mast- und Schotbruch!“
19. August 2009
Wir Journalisten sind Stricher – Menschen, die das dringende Bedürfnis verspüren, Wörter mit Bindestrich zu schreiben. Natürlich gibt es Begriffe, bei denen sich das so gehört. Doch die allermeisten Wörter, die uns in der deutschen Sprache begegnen, brauchen eigentlich keinen Strich.
Uns Stricher stört das nicht. Unser Argument für einen Bindestrich im Wort ist noch dazu ziemlich einleuchtend: Mit seiner Hilfe soll ein Wort besser zu lesen sein. Mit der Rechtschreibreform haben wir neue Argumente geliefert bekommen, mit denen wir die dünne Linie zwischen zwei Buchstaben verteidigen können. „Schifffahrt“ und Co. sehen nämlich wirklich nicht chic aus. Also schreiben wir „Schiff-Fahrt“.
Doch wo sollen wir die Grenze ziehen? Bei „Radar-Falle“ oder bei „Wetter-Vorhersage“? Sie sehen: Es ist ein schmaler Grat, eine dünne Linie, letztlich auch nur ein Strich, auf dem wir balancieren und unsere Entscheidungen treffen – zwischen richtig und leserlich.
18. August 2009
„Bist du beschränkt, daß neues Wort dich stört?
Willst du nur hören, was du schon gehört?“
So heißt es in Goethes Faust. Und auch wir bei PONS.eu haben natürlich rein gar nichts gegen neue Wörter. Deshalb wollen wir die Geister, die wir riefen, auch nicht loswerden, sondern freuen uns auch weiterhin über sprudelnde Wortquellen aus der Blogo- und allen anderen Sphären, die von Sprachliebhabern bewohnt werden.
Übrigens gibt es in der Geschichte der Lexikographie auch lange vor dem Internetzeitalter Wörterbücher, deren Entstehung einer kollektiven Anstrengung zu verdanken ist. Das im Jahre 1857 initiierte The New Oxford Dictionary of English etwa wurde 70 Jahre später vollendet. Sein Schöpfer, Dr. James Murray, hatte mit Flugblättern freiwillige Helfer gesucht, die in der Literatur nach Wörtern und Belegen fahnden sollten. Freilich kamen die Funde damals noch nicht per E-Mail in die Hände des Sprachforschers.
18. August 2009
Unsere Redaktion hatte in den vergangenen Tagen alle Hände voll zu tun. Täglich erreichen uns neue „Wortmeldungen“, Begriffe also, die in unserem Deutsch-Wörterbuch noch nicht vertreten sind, nach Ansicht unserer Nutzer aber schleunigst hinzugefügt werden sollten.
Dass unter den Neuankömmlingen Begriffe wie „Feed“, „Wiki“, „Widget“, „Weblog“ und „Twitter“ sind, hat uns nicht sonderlich überrascht. Schließlich haben wir www.pons.eu im ersten Schritt bei Deutsch-Profis mit Hang zum Internet bekannt gemacht.
Für besondere Erheiterung haben in unserer Redaktion vor allem diejenigen Worte gesorgt, die wir nicht „auf dem Schirm“ hatten, die für unsere Nutzer aber offensichtlich von großer Bedeutung zu sein scheinen, wie zum Beispiel „stutenbissig“ und „Suppenkasper“.
Vielen Dank an alle eifrigen Wortmelder und: weiter so!
14. August 2009
„Hefte raus, Klassenarbeit!“, hieß es in der vorvergangenen Woche und viele Schreibwillige sind unserem Aufruf gefolgt. Unser Rotstift kam also noch einmal zum Einsatz und die Arbeiten trudeln dieser Tage bei den „Prüflingen“ ein. Frau Pelzer gönnt sich gerade, wie an dieser Stelle angekündigt, eine kleine Korrekturpause. Das bedeutet allerdings nicht, dass sich notorische Fehlerteufel in Sicherheit wiegen sollten.
Ganz im Gegenteil – denn „ponsen“ kann jetzt jeder. Vielleicht ist dem ein oder anderen schon das Banner, das seit heute in unserem Blog im vertrauten PONS-Grün erstrahlt, aufgefallen. Wer sein Lieblingsblog in Sachen Rechtschreibung loben oder tadeln möchte, kann ab jetzt das kleine PONS-Männchen für sich sprechen lassen.
Und das geht so: Im Banner einfach Ihre persönliche Wertung „Absolut korrekt!“, „Könnte besser sein!“ oder „Nicht auszuhalten!“ auswählen, die jeweilige ASCII-Figur kopieren und als Kommentar unter den betreffenden Blogeintrag einfügen. Gegebenenfalls die Korrektur noch mit einer netten, persönlichen Notiz versehen. Schon haben Sie jemanden „geponst“. Viel Spaß!
Absolut korrekt!
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Null Fehler – fein gemacht!
www.pons.eu
Könnte besser sein!
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Habe einen Fehler gefunden!
www.pons.eu
Nicht auszuhalten!
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Lauter Fehler – nicht zum Hinsehen!
www.pons.eu