Sebastian Weber, Verlagsleiter bei PONS, wird heute ab 12.00 Uhr dem Blogger Patrick Breitenbach zum Thema „geschlechtsspezifische Übungsbücher“ Rede und Antwort stehen.
Die Diskussion wird live bei USTREAM übertragen und steht anschließend hier im Blog als Video zur Verfügung.
Wenn Sie Fragen und Anregungen zum Thema haben, können Sie bei USTREAM die Chatfunktion (für registrierte Mitglieder) nutzen oder uns über Twitter kontaktieren.
Zu unseren neu erschienenen Mathe- und Deutsch-Übungsbüchern für Jungs und Mädchen haben wir in den vergangenen Wochen sehr viel (Online-)Feedback bekommen, negatives wie positives.
Wie hier im Blog schon angekündigt, möchten wir von PONS uns gerne den Fragen stellen, warum wir den neuen Weg eingeschlagen und unterschiedliche Übungsbücher für Mädchen und Jungs ins Programm genommen haben, und laden am 3.11. um 12 Uhr alle Interessierten ein zu einer Online-Diskussion via Live-Streaming hier auf diesem Blog.
Sebastian Weber, der bei PONS für die Übungsbücher verantwortliche Verlagsleiter, wird zum Thema „geschlechtsspezifische Übungsbücher“ Rede und Antwort stehen – im Gespräch mit Blogger Patrick Breitenbach, der auch vor Ort sein wird.
Wir haben die häufigsten Fragen, die über den Blog (vielen Dank dafür!), per Mail und über Twitter, aber auch über unseren Kundendienst bei uns angekommen sind, gesammelt und werden versuchen, am 3.11. alle zu beantworten.
Wir freuen uns, wenn Sie Zeit haben, das Gespräch live zu verfolgen; Ihre Kommentare und Fragen, die Sie per Chat stellen können, binden wir dann ins Gespräch ein. Gerne können Sie mir Ihre Fragen aber auch schon vorab schicken, einfach per Kommentar unter diesem Artikel.
Natürlich stellen wir das aufgezeichnete Gespräch im Anschluss online zur Verfügung.
Mein Kollege Sebastian Weber und ich freuen uns auf einen interessanten Austausch mit Ihnen.
Gibt es ein deutsches Wort für Download? Eine Frage, die mir vor ein paar Tagen eine Kollegin stellte. Wir überlegten lange, fanden aber kein passendes Wort. Klar, downloaden, das heißt auf Deutsch herunterladen. Aber der Download – nein, da fiel uns nichts Passendes ein.
Willkommen im denglischen Deutschland, liebe Blog-Freunde! So weit ist es also schon, dass uns Journalisten kein deutsches Wort mehr für einen Vorgang im Internet einfällt. Ist das schlimm? Werden wir überrannt von Anglizismen und Kunstwörtern, die sich nach Anglizismen anhören, aber keine sind? Und vor allem: Ist es die Pflicht von uns Journalisten, die gute, alte, deutsche Sprache zu bewahren und zu verteidigen?
Nein, ich denke nicht. Denn auch wir können Veränderungen nicht aufhalten. Noch nicht einmal die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat es dauerhaft hinbekommen, kein Foto auf der Titelseite zu haben. Irgendwann kam der Relaunch des Layouts und mit ihm das bunte Bild auf Seite eins.
Haben Sie es gemerkt? „Relaunch“ und „Layout“ habe ich geschrieben. Das Denglisch ist also auch bei mir nicht mehr aufzuhalten. Die Globalisierung findet ihren Weg überallhin. Auch in die Sprache.
Substantiviert – was für ein Wort. Irgendwie ein Ungetüm. Spräche ich wildfremde Menschen auf der Straße an, wüssten einige wohl nicht, was es mit diesem Ausdruck auf sich hat. Was ein Substantiv ist, ist wohl allen klar. Nimmt der Schreibende nun andere Wörter und macht sie zum Substantiv, dann werden sie substantiviert. Das ist alles.
In der Journalistenschule war kaum etwas schlimmer als ein substantiviertes Wort. Die Substantivierung war verpönt und unsere Lehrer straften sie mit schlechten Noten ab – zu Recht, wie ich finde. Denn indem alles substantiviert wird, wird unsere Sprache steif und weniger lesenswert.
„Peter nutzt gerne sein Fahrrad, um die Umgebung kennen zu lernen und Freunde zu besuchen.“ Das klingt doch nun wirklich tausend Mal besser als die substantivierte Alternative: „Mit der Nutzung seines Fahrrads ist Peter das Kennenlernen der Umgebung und das Besuchen von Freunden möglich.“
Entsprechend, finde ich, lohnt es sich zu kämpfen – gegen alle, die es lieben, substantivisch zu formulieren. Also beispielsweise gegen Behörden und Bürokraten mit ihren „Anweisungen zur Durchführung der Erfolgsmessung“. Aber manchmal auch gegen Redakteure und Medienmacher, die lieber substantivieren, als einem Nebensatz Raum zu geben.
Ob ich mit meinem Kampf Erfolg habe, weiß ich nicht. Doch wie sagte schon Camus: „Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“
Journalisten sind mächtige Menschen. Einerseits, weil sie tatsächlich als vierte Gewalt fungieren und die politischen sowie wirtschaftlichen Geschicke des Landes beeinflussen. Andererseits aber auch, weil sie die Sprache nachhaltig prägen und verändern. Ersteres ist bisweilen bedenklich. Doch auch Letzteres bereitet mir manchmal Kopfzerbrechen. Denn wenn die Macht mit uns ist, wenn wir Sprache schaffen, revolutionieren und gestalten können, ist die Verantwortung immens. Schließlich glaubt die Menschheit gemeinhin, was irgendwo schwarz auf weiß geschrieben steht.
Doch was, wenn ich kleiner Schreiberling bei der Kommasetzung oder der Groß- und Kleinschreibung irre? Was, wenn ich absichtlich Geldbeutel schreibe, weil ich nicht weiß, wie Portemonnaie richtig geschrieben wird? Dann vergewaltige ich unsere Sprache. Dann trage ich meinen Teil dazu bei, dass sie einen Teil ihrer wunderbaren Komplexität und Internationalität verliert. Also bemühe ich mich tagtäglich, gutes, facettenreiches Deutsch zu schreiben – und hoffe, dass die Macht mit mir ist.